Die Villa Gantrisch in Schwarzenburg zeigt, was Innenarchitektur in einem denkmalgeschützten Haus bedeutet: zuerst verstehen, dann zurückbauen, erst dann ergänzen.
Die Villa war das Herrschaftshaus eines Notars. Nach seinem Tod fand sich niemand, der das Notariat in Schwarzenburg weiterführte, und die Bank Gantrisch erwarb das Haus, um es als Dienstleistungszentrum zu nutzen. Die Sanierung entstand in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege.
Am Anfang stand die Farbuntersuchung. Eine Spezialistin trug Schicht um Schicht ab, bis das Original zum Vorschein kam: Die Holzwerke, die seit sechzig Jahren braun waren, hatten ursprünglich ein Grün. Niemand, der das Haus kannte, hatte das gewusst. Im Eingang liegt ein alter Plattenboden, der die Farben des ganzen Hauses in sich trägt; aus ihm wurde die Palette abgeleitet, mit der die Türen und Täfer wieder in ihren ursprünglichen Tönen gestrichen sind.
Der Architekt, der dieses Haus gebaut hatte, hatte sich etwas überlegt. Dem nicht zu folgen, wäre eine Respektlosigkeit gewesen. Neu sind nur die Eingriffe, die der heutige Betrieb verlangt, etwa Brandschutztüren im Eingangsbereich.
Der Dachraum wurde geöffnet und zum Sitzungs- und Mehrzweckraum ausgebaut, als klassischer Dachstock mit sichtbaren Balken, Dachlatten und Ziegeln. Die Beleuchtung eines solchen Raums ist anspruchsvoll, weil er nicht auf einen Tisch hin ausgerichtet sein darf; die Leuchten wurden vorab als Papiermodelle im Raum simuliert, bis das Licht stimmte.
Heute beherbergt die Villa mehrere Mieter aus Dienstleistung und Bankgeschäft, darunter nach wie vor ein Notariat. Ein Haus, das lange übermalt war, erzählt wieder seine eigene Geschichte.