Die Arztpraxis in Lauterbrunnen ist die Geschichte einer Nachfolge. Der Dorfarzt starb in den Ferien, und seine Frau, selbst keine Ärztin, setzte sich dafür ein, dass das Dorf seine Praxis behält.
Über die Praxisassistentin fand sich eine Ärztin, die einsteigen wollte, allerdings nicht in eine Praxis, die seit Jahrzehnten unverändert war. Der Umbau wurde zur Komplettsanierung, und das neue Konzept löste im alten Team einigen Widerstand aus. Die Praxis, die daraus entstand, ist auf einen Ort zugeschnitten, an dem sich ein Arzt auch gegenüber Gästen aus England und Japan präsentiert.
Der Grundriss wurde umgekehrt. Früher betraten die Patientinnen und Patienten die Praxis von hinten und standen im Wartezimmer, bevor sie den Empfang fanden. Heute sieht man beim Eintreten zuerst den Empfang; dafür mussten Wände weichen, was statisch anspruchsvoll war. Die Materialien folgen dem Ort: Im Eingang ein Steinboden, der Schnee und Salz von den Skischuhen verträgt, in den Behandlungszimmern blaues Linoleum für eine wärmere Stimmung, dazu eine Wand aus Tanne, dem Holz der Region, die zugleich den Hall aus dem Empfang nimmt.
In einem Dorf zu bauen, mit den Handwerkern des Dorfs und als Auswärtiger, war eine eigene Aufgabe. Dass die Praxis heute läuft, ist auch ein Beitrag gegen ein Problem, das viele Bergdörfer kennen: Ärztinnen und Ärzte zu finden, die bleiben.